Kameraden?


Buch GrenzsoldatGut, Kameradschaft ist ein gewisses Positivum in jeder Armee und war es natürlich auch in der NVA, bei den Grenztruppen. Von vielen "heutigen" Kameraden wird die Kameradschaft in der Armee jedoch verklärt und die "gute Kameradschaft" mit dem komischen Zustand "umittelbar Soldat sein" in Verbindung gebracht. Ich seh das lockerer. Egal welches soziales Bedingungsgefüge existiert, Freundschaft, Kameradschaft, gegenseitige Hilfe und Verständnis in der Gruppe bildet sich in jeder Gruppierung mehr oder weniger heraus. Bei konformen Interessen und bei gegenteiligen Interessen zum Bedingungssystem - das ist fast egal. Kameradschaft gab es bei den Landsknechten des Mittelalters, beim Kaiser, bei Hitler in der NVA und bei der Bundeswehr. Sowie es Extremsituationen gab, wurde die Gemeinschaft als Hort der Sicherheit, als Bollwerk gegen äußere Einflüsse mehr oder weniger stark empfunden. Oft mehr als in isolierten Situationen.

Menschen sind nun mal wie die Pferde Herdentiere und behaupten sich durch die Summe der Potenz und Eigenschaften der Gruppe besser gegen die Umwelt, als als Einzelindividium. Sind nun die Umstände arg besonders im Krieg, bei Entbehrungen, Kampfhandlungen oder überhaupt Widernissen aller Art bis in extremste Gefährdungssituationen, reagieren die meisten Menschen als Beschützer und setzen sich für den anderen bedingungslos ein. Aber genau so funktionieren sie als Gruppe auch nach aussen und schlachten Kameraden der anderen Seite, also ausserhalb der Gruppe ohne grosse Überlegung ab. Dort funktioniert das genau so und holen den Kameraden mit aufgeplatztem Bauch unter extremster Lebensgefahr aus der Feuerlinie.

Schade ist, das man darauf nur in der eigenen Gruppe stolz ist. "Im Westen nichts neues" , "Das Boot", "Ein Menschenschicksal". Egal welche Seite in der Literatur...So beschreiben viele Autoren dieses Phänomen der Kameradschaft in immer wiederkehrenden Beispielen. Der einzelne, der diese Umstände erlebt, fühlt sich geborgen und brabbelt noch als Greis von der guten Kameradschaft in der Armee oder in der Gefangenschaft. Fakt ist, wenn sie es bis zum Greis geschafft haben, haben sie eben schon mit tausendprozentiger Sicherheit durch den Gruppenschutz erlebt und überlebt. Das diese Kameraden andere fremde Gruppenmitglieder zur Hauptmahlzeit der Würmer und Mikroben geschickt haben, kümmert diese Helden weniger.

Heute wird man von jedem einigermassen klugen Personalsachbearbeiter nach seiner Temworkfähigkeit abgeklopft, um sicher zu stellen, dass man im Gruppengefüge eines Unternehmens bestens funktioniert. Das ist nicht neu. Die Kohorten der Römer konnten schon als geballte Gruppe mit anderen geballten Gruppen die zehnfache Übermacht der Barbaren zu Hackfleisch verarbeiten, die als lockere germanische Kampffamilienunternehmen/ Sippe in die Schlacht zogen. Bei Jena und Auerstedt siegten effizientere napoleonischen Gruppen gegen steiffe altmodische militärische Gruppengefüge der Preußen und im 2. Weltkrieg wurde die Deutsche Wehrmacht zu Brei geschlagen, weil besser motivierte Gruppierungen Kanonen und Munition bauten, als Fremdarbeiter, schlecht ausgebildete Frauen und Arbeitssklaven.

Tragisch ist heute, dass auch Gruppen überlegen sein können, welche nicht Recht haben. Nicht Recht nach dem Völkerrecht, nicht Recht nach menschlichem Ermessen der Humanität. Das ist das gefährliche an der Kameradschaft. Man wird von cleveren Politikern benutzt und merkt es nicht einmal, weil man sich so schön in der Gruppe geborgen fühlt. Man trottet als Gruppe der Leitkuh  in´s Schlachthaus hinterher. Die übrig gebliebenen schwärmen dann von der guten Kameradschaft! Sie Sprengen sich in Jerusalem für "Kameraden" selber in die Luft, schießen mit Schweizer Munition und Deutschen Gewehren und amerikanischen Zielortungssystemen in palästinensische Flüchtlingslager.
 

Insofern funktionierte die Kameradschaft bei den Grenztruppen genau so wie in jeder beliebigen Armee der Welt. Trotzdem bin ich der Auffassung, dass man nicht sehr stolz sein sollte, Soldat der NVA gewesen zu sein (Eine Ausnahme.....bitte bis zum Ende lesen!). Es war Zufall in dieser nutzlosen Armee gedient zu haben, wie es nach meiner heutigen Auffassung für das einzelne Individium heute nutzlos ist sich einer Kampfgruppierung egal welcher Art unter zu ordnen. Zu 99 Prozent vertritt man hier nicht seinen eigenen Interessen, sondern die Interessen anderer Gruppen oder einzelner Personen.

Ich bin der Auffassung, das es nutzvolle Kameradschaft nur bei der Feuerwehr, beim technischen Hilfswerk oder bei Hilfsorganisationen, welche für alle Menschen wirken, geben kann. Alles andere, was physische militärische Gewalt unmittelbar ausübt, gehört in historische Romane oder in´s Museum. Jede Armee ist heute Ressorcenverschwendung und absolut sinnlos.  

Wer das nicht glaubt, der schaut mal im Internet nach, was es heutzutage für Waffensysteme gibt. Da nützt die beste Kameradschaft nix mehr, wenn man auf zig Kilometern mit Infrarot 3-D Zielsuchsystemen  aufgespürt werden kann und nachfolgende Scanner checken können, ob die Körpertemperatur des "Behandelten" ordnungsgemäß unter 37 Grad Celsius gefallen ist. Deutsch gesagt, der Kamerad ist verreckt, weil wir heute eine prima EDV haben, welche ein wenig anders als der Flitzebogen und das Auge funktioniert. (Steht der noch auf, oder steht der nicht mehr auf?). Was wohl eine multinationale Lebensversicherung dazu sagen wird, interessiert mich heute echt!

Oder man kann ja mal mit dem Handy oder dem Internet anrufen, ob der anvisierte "Kamerad" noch alle seine Ärmchen hat. Aber auch das ist bald nicht mehr notwendig, weil das geschickte Projektil die entsprechenden Daten über den Exitus gleich in die Datenbank sendet und bei usa.net oder bei gmx gleich den Account löscht.

"Keine Gewalt!" haben mal ein paar Leute vor über 10 Jahren in Leipzig und Berlin und in vielen Orten Deutschlands gerufen und wenige Monate danach verschwand eine komplette Armee in die Geschichtsbücher.  

Darauf sollten wir stolz sein, zu dieser Armee gehört zu haben, welche einfach so ohne viel Aufhebens verschwand und damit  unbewußt bewies, das man kein Militär mehr braucht!  

Offiziere wurden Vertreter für Lebensversicherungen, brutzelten Bratwürste und trauern nun noch ein bissel über den verlorenen sozialen Status. Unteroffiziere wurden nicht übernommen und  gingen nach Hause. Die Kameraden Wehrpflichtigen kamen noch einmal in eine andere Armee. Mehr ist nicht passiert. Keine aufgerissenen menschlichen Gedärme, keine Massengräber, keine Trauerarbeit der Hinterbliebenen. Sie sind fast alle noch da und leben ganz einfach weiter.  

Liebe Grüße,
Kameraden!  



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